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FDP-Spitzenkandidat Lindner zu Gast im Tagesspiegel-Chat

Bis zur Bundestagswahl am 22. September sind die Berliner Spitzenkandidaten der großen Parteien reihum zu Gast im Tagesspiegel-Chat. Den Anfang macht am Dienstag der FDP-Abgeordnete Martin Lindner. Was möchten Sie von ihm wissen, was wollen Sie ihm sagen? Diskutieren Sie ab 14 Uhr mit! zum Artikel

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Archivierte Diskussion - Nachrichten in chronologischer Reihenfolge

  • Sehr geehrter Herr Lindner,

    meine Frage dreht sich rund ums bedingungslose Grundeinkommen. Mir fällt auf, dass sich eigentlich keine Partei mal auch nur ernsthaft mit dieser Idee beschäftigt. Nun gibt es aber ja durchaus Verfechter dieser Idee, die nicht unter dem Verdacht des Sozialromantikertums stehen. Klappt es, ist es für mich die nächsthöhere Evolutionsstufe der sozialen marktwirtschaft. Die Frage ist: Ist es machbar? Aber keine Partei scheint das mal ernsthaft und ergebnisoffen zu prüfen. Ich finde, bei der FDP wäre eine solche Überprüfung gut aufgehoben. Kann man das eventuell mal für die nähere Zulunft erwarten? Den Einwand, dann würde niemand mehr arbeiten, würde ich übrigens nicht zu hoch hängen. Denn aus meiner persönlichen Warte kann ich sagen: Ich würde auf jeden Fall weiterarbeiten, würde es nur begrüßen, im Falle der Arbeitslosigkeit nicht in die Rolle des Bittstellers geschoben zu werden. Ein riesiger psychologischer Vorteil wie ich finde. Herzlichen Dank im voraus

  • Für die grundsätzliche Idee habe ich auch große Sympathie. Könnte man sich doch einen erheblichen Teil der Sozialverwaltung sparen. Theoretisch! Denn erstens würden sich in der Tat viele von geringfügiger Beschäftigung abmelden. Zweitens müsste man immernoch eine Sozialverwaltung erhalten für diejenigen, die das Grundeinkommen nicht für die notwendigen Dinge einsetzen, sondern schon kurz nach Auszahlung wieder beim Amt stehen. Ich fürchte daher, dass das bedingungslose Grundeinkommen an der Praxis scheitert.

  • Herzlich Willkommen zu unserem Chat, liebe Leserinnen, liebe Leser! Und natürlich ein herzliches Willkommen unserem Talkgast Martin Lindner. Wer möchte eine Frage stellen? Los geht's!

  • Auf unserer Homepage hat der Leser "fressefreiheit" vorab schon eine Frage gestellt, die ich hiermit weiterreichen möchte:


    Die FDP hat immer gesagt:"Leistung muß sich lohnen" Nun hat die FDP dafür gesorgt, dass zigtausende reguläre Arbeitsverhältnisse in Zeitarbeit.- und Leiharbeitsverhältnisse umgewandelt wurden.
    Die Menschen arbeiten/leisten oft mehr Arbeitszeit- mehr als 10 stunden tgl.,als so mancher Politiker,und das zu einem Stundenlohn von unter 6,00 €. Die Folge ist, die Menschen können nicht mal die monatliche Miete von ihrem
    Lohn bezahlen und müssen eränzende Leistung (Hartz IV)beantragen.
    Die FDP wehrt sich entschieden gegen die Einführung eines flächendeckenden Mindestlohn für alle.
    Nun meine Frage: Ist das jetzt ihre Vorstellung von einer modernen Gesellschaft oder die einer Sklavengesellschaft aus finsteren Zeiten?

  • Hi Herr Lindner,
    es schaut ja ganz gut aus mit schwarz-gelb um wieder so weiterzumachen. Ich muss ehrlich sagen, ich war nicht immer 100 % zufrieden mit Ihnen, aber es geht uns ja ganz gut.. ich will nur keine Linken an der Regierung haben- was passiert denn, wenn es nicht für ihre Liberalen und Merkel reicht? Ist dann eine große Koalition drin? Wenn es für schwarz-gelb nicht reicht, reicht es doch auch für rot-grün rot? Oder was macht die SPD dann? Und was ist mit diesen kleinen Splitterparteien- nehmen die ihnen nciht viele Stimmen weg? Wieviel % brauchen Sie denn persönlich in Berlin um wieder in den Bundestag zu kommen? viele Grüße Fred

  • Sehr geehrter Herr Lindner,

    Meine Frage Nr. 2 beschäftigt sich mit der FDP selbst. Als Wähler habe ich den Eindruck, die FDP konzentriert sich nur noch auf ihre wirtschaftsliberalen Wurzeln und vergisst darüber die gesellschaftsliberalen. Ihr Wahlprogramm liest sich da durchaus erfreulich, aber warum verhalten Sie sich mit Ausnahme von Frau Leutheusser-Schnarrenberger so passiv, was gesellschaftspolitische Fragen angeht? Da gewinnt man den Eindruck, dieses Feld wäre maximal sekundär und in der Praxis kam diesbezüglich zuletzt auch wenig von der FDP. Aus den gesellschaftspolitischen Debatten hielt man sich vornehm heraus. Kann man erwarten, dass die FDP künftig ihre gesellschaftsliberalen Ansätze mal wieder etwas mehr gewichtet?
    Herzlichen Dank im voraus (und was das bedingunslose Grundeinkommen angeht: Danke für die Antwort, doch mir geht es darum, die Idee zunächst mal auf Herz und Nieren auf Machbarkeit zu überprüfen. Selbst das findet ja nicht statt, weil im voraus schon so viele Bedenken geäußert werden)

  • Zunächst stelle ich klar, dass unter Schwarz-Gelb während der letzten Jahre der Anteil der Zeitarbeitsnehmer nicht gewachsen ist. Etwa 800.000 von ca. 40 Mio Beschäftigungsverhältnisse sind hiervon betroffen. Zwei Drittel der Beschäftigten waren vorher langzeitarbeitslos, ein Drittel der Zeitarbeitnehmer haben anschließend eine unbefristete Beschäftigung.

    Ferner möchte ich erwähnen, dass unter Schwarz-Gelb ein Zuwachs von 1,6 Mio. sozialversicherungspflichtiger Arbeitsverhältnisse zu verzeichnen ist. Von "Sklavengesellschaft" also keine Spur.

    Die FDP setzt sich für branchen- und regionalbezogene Lohnuntergrenzen ein. Hierdurch kann punktgenau nachgesteuert werden. EIn einheitlich gesetzlicher Mindestlohn dagegen geht für die meisten Beschäftigten ins Leere und führt in einigen Branchen und Regionen zu mehr Arbeitslosigkeit.

  • @FreddieKwin: In der Tat geht es am 22. September um Schwarz-Gelb oder Rot-Rot-Grün. Denn wir wissen aus den Erfahrungen in Berlin der Jahre 1999/2001 wie das läuft. Zunächst würde sich eine schwache SPD in eine große Koalition quälen. Bei erster Gelgeneheit platzt dann die Sache und Rot-Rot-Grün kommt. Wer Protestparteien wie Freie Wähler, AfD etc. wählt, wacht dann mit einem Linkspakt auf. Eine solide Regierung der Vernunft gibt es nur mit CDU/CSU und FDP.

    Mir würden 5% bundesweit reichen. Aber wir kriegen deutlich mehr. Dafür kämpfen wir!

  • Guten Tag Hr. Lindnder, hier meine kurze Frage : Sehen sie sich mit der Alternative für Deutschland noch auf Augenhöhe oder werden sie dieser Partei unterliegen?

  • "Zweitens müsste man immernoch eine Sozialverwaltung erhalten für diejenigen, die das Grundeinkommen nicht für die notwendigen Dinge einsetzen, sondern schon kurz nach Auszahlung wieder beim Amt stehen. Ich fürchte daher, dass das bedingungslose Grundeinkommen an der Praxis scheitert."

    Also sollte Ihrer Meinung nach ein BGE unterhalb der Sätze nach SGB liegen?
    Ansonsten wäre der Gang zum Amt ja gar nicht mehr möglich.

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